Bildquellen: Staatsarchiv Hamburg / Google Earth. ⓘ Weitere Hinweise und Erläuterungen zu Schadenskarte und Luftbildvergleichen.

Der heutige Johannes-Brahms-Platz hieß zur Zeit der Aufnahme des historischen Fotos noch Holstenplatz. Wenige Jahre später im Nationalsozialismus hieß er dann Karl-Muck-Platz. Drei Plätze in einem Foto, sozusagen. Karl Muck war ein Judenfeind und Dirigent, der Platz wurde kurz nach Machtübernahme der Nazis zu seinen Ehren umbenannt. Erst 1997 wurde der Platz vom Platz eines Hitler-Verehrers zum Johannes-Brahms-Platz.

Wie bei vielen anderen ehemaligen Plätzen hat der Platz auch hier nur noch im Namen überdauert, tatsächlich handelt es sich heute eher um die Johannes-Brahms-Kreuzung. Trotz der historischen Aufnahme zur kälteren Jahreshälfte (die Bäume sind unbelaubt) herrscht reges Treiben. Der Kfz-Verkehr wurde zu zu dieser Zeit noch kreisförmig um den Platz geführt – eine Verkehrsführung, die enorm stadtverträglich ist, uns leider aber über die Jahrzehnte abhanden gekommen ist (siehe dazu den Beitrag „Warum wir besser auf Kreisverkehre setzen sollten“).

Der öffentliche Raum gehörte überwiegend den Menschen zu Fuß und der Straßenbahn. Die Parkanlagen des alten Wallrings waren in Justizforum und Platz eingebettet. Die Baumassen des Justizforums um den Sievekingplatz bildeten ein städtebauliches Gegenüber zum damaligen Holstenplatz, so dass sich im Zusammenspiel der beiden Ensembles ein zusammenhängender Stadtraum bildete.

Heute ist der Platz zur Großkreuzung geworden. Die Grünflächen samt großer Bäume wurden der Optimierung des Straßenverlaufs für geradlinige und schnelle Kfz-Fahrt geopfert. Aufenthaltsqualität sucht man dort vergeblich, der Großteil des öffentlichen Raums steht dem Kfz-Verkehr, ob stehend, parkend oder fahrend, zur Verfügung.

Die Parkanlagen, die vorher noch in den Platz integriert waren, sind durch die Überführung der Straße nach unten verbannt worden und stehen nicht mehr in direkter Interaktion mit der Platzfläche. Das Justizforum wurde vom Platz getrennet und das städtebaulich bedeutsame Ensemble durch die Kfz-Achse durchschnitten. Die Gebäude werden von Menschen heute überwiegend durch die Windschutzscheibe wahrgenommen, als Stadtraum ist der Ort aus dem Bewusstsein verschwunden.

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